AI Week Mainfranken 2026 · Praxis-Workshop

Öffentliche Daten der Stadt Würzburg
mit KI nutzbar machen

23. Juni 2026 · 16:00–18:00 Uhr
Smarte Region Würzburg · Sanderstr. 4, 97070 Würzburg

Referent: Markus Matiaschek, Hackation / Zero Hunger AI
Moderation: Tilman Hampl, Smarte Region Würzburg

Willkommen: der Ablauf heute

Block 1 · Grundlagen
16:00–16:30
KI-Werkzeuge verstehen, Kosten, Datenschutz, Risiken

Block 2 · Open Data + KI
16:30–17:10
Portal erkunden, Live-Demo KI-Assistent
Block 3 · Selbst ausprobieren
17:10–17:50
Hands-on an eigenen Mini-Projekten

Block 4 · Abschluss
17:50–18:00
Ergebnisse, Reflexion, Ressourcen

Mindestens ein Drittel der Zeit ist für eigenes Ausprobieren reserviert.

Diese Fragen beantworten wir heute

Was sind Open Data, und warum werden sie veröffentlicht?
Wie helfen KI-Werkzeuge beim Verstehen und Auswerten von Daten?
Wie unterstützt KI beim Schreiben von Code? (Vibe Coding)

Plus: Daten recherchieren · analysieren & visualisieren · für eigene Projekte einsetzen.

Spielregeln

  • Keine Vorkenntnisse nötig: keine Programmierung, keine Installation.
  • Alles läuft im Browser, mit frei verfügbaren Werkzeugen.
  • Laptop hilft, ist aber nicht zwingend: zuschauen geht auch.
  • Fragen jederzeit: keine Frage ist zu einfach.
  • Reale Daten, realer Nutzen: wir arbeiten mit echten Daten der Stadt Würzburg.

WLAN-Zugang, Beamer und Steckdosen stellt die Smarte Region.

WLAN: Netz „Stadt.Land.Gast" · Passwort „stadt land smart macht Laune"

Block 1 · 16:00–16:30

Grundlagen:
KI-Werkzeuge verstehen

Kontext: Wie „denkt" eine KI?

Comic: Wie eine KI Kontext nutzt

Die Werkzeuge im Überblick

Chat / Analyse

  • ChatGPT (OpenAI)
  • Claude (Anthropic)
  • Microsoft Copilot
  • NotebookLM (Google): eigene Dokumente/Daten befragen, Audio-Overview

Apps bauen (No-Code)

  • Lovable: App aus Beschreibung
  • Vergleichbar: Bolt, v0, replit

Heute brauchst du nur einen Browser und kostenlose Zugänge.

Gutes Prompting: in der Praxis

  • Kontext mitgeben: Daten einfügen oder Datei hochladen.
  • Schritt für Schritt: große Aufgabe in kleine zerlegen.
  • Format vorgeben: „als Tabelle", „als Diagramm", „in drei Sätzen".
  • Nachfassen: Ergebnis verfeinern statt von vorn beginnen.
Live: Wir stellen gemeinsam eine einfache Frage an die KI und bewerten das Ergebnis.

Beispielprompts zum Kopieren

„Mache eine EDA (explorative Datenanalyse) für diesen Datensatz: <CSV/Link einfügen>. Was fällt auf, welche Spalten sind brauchbar, wo sind Lücken?" „Hier ist das Würzburger Baumkataster als CSV. Welche Baumarten sind am häufigsten? Gib mir ein Balkendiagramm der Top 10." „Diese Bodenfeuchte-Werte werden ab 2021 negativ. Ist das physikalisch plausibel, oder driftet der Sensor? Markiere verdächtige Zeilen." „Bei diesem Hitze-Forecast (35/33/34/36/37/39 °C): welche Gegend wird zuerst kritisch trocken, und was schreibe ich der Gießkolonne?"

Tipp: Datensatz oder Link immer mitgeben und das Ausgabeformat vorgeben. Diese Prompts liegen auch im Handout.

Kosten, Datenschutz & Risiken

Kosten

  • Viele Werkzeuge: kostenlose Basis.
  • Bezahlversionen: mehr Leistung/Limits.

Datenschutz

  • Keine personenbezogenen / sensiblen Daten eingeben.
  • Open Data ist unbedenklich, dafür gemacht.

Typische Fehlerquellen

  • Halluzinationen: erfundene Fakten.
  • Veraltete Daten: Wissensstand begrenzt.
  • Fehlende Quellen: immer prüfen.

Was KI kann: zusammenfassen, strukturieren, Code-Entwürfe. Was nicht: garantiert korrekt sein, eigenständig verantworten.

Block 2 · 16:30–17:10

Open Data und KI
verbinden

Was sind Open Data, und warum veröffentlicht?

  • Open Data = öffentliche Daten, die frei, kostenlos und maschinenlesbar zur Verfügung stehen, zur freien Weiterverwendung.

Warum veröffentlicht die Stadt sie?

  • Transparenz gegenüber Bürgerinnen und Bürgern.
  • Teilhabe & Innovation: Vereine, Initiativen, Unternehmen bauen Neues.
  • Effizienz: einmal veröffentlicht, vielfach genutzt.
  • Teils gesetzlich gefördert (Open-Data-/Informationsweiterverwendung).

Das Open Data Portal Würzburg

opendata.wuerzburg.de: seit 2019, Vorreiter in Bayern.

  • Baumkataster
  • Verkehrsdaten
  • Sozial- & Einwohnerstatistik
  • Klimadaten
  • Spielplätze, Parkhäuser
  • Fahrradabstellanlagen, Geodaten

Von Verkehr über Soziales bis Klima: frei zugänglich.

Weitere öffentliche Datenquellen

  • DWD Open Data: Wetter & Klima (Deutscher Wetterdienst).
  • HND / Pegel Bayern · Pegelonline: Wasserstände, Gewässerkundlicher Dienst.
  • Geodaten Bayern: Karten, Geobasisdaten.

Vom Datensatz zur KI

  • Daten herunterladen (CSV/JSON) oder Link/API nutzen.
  • In den KI-Chat einfügen oder als Datei hochladen.

Wie KI beim Verstehen & Auswerten hilft

  • Erklären: „Was bedeutet diese Spalte?" KI ordnet Rohdaten ein.
  • Zusammenfassen: große Tabellen auf das Wesentliche bringen.
  • Auswerten: Muster, Ausreißer, Vergleiche finden lassen.
  • Visualisieren: Diagramme aus Daten erzeugen, ohne Excel-Formeln.

Leitfrage 2: KI macht den Zugang zu Daten einfacher, auch ohne technisches Vorwissen.

ECHTES BEISPIEL · ECHTE WÜRZBURG-DATEN

Welcher Stadtbaum verdurstet zuerst?

Stefan vom Gartenamt hat in der Hitzewelle nicht genug Tankwagen, um alle Bäume zu gießen.
Seine Frage an die offenen Daten: Welche Gegend wird zuerst kritisch, wohin schicke ich die knappe Gießkolonne?

Forecast Würzburg: 6 heiße Tage bis 39 °C (Sa 27.06). Wir lösen das jetzt Schritt für Schritt mit Open Data + KI.

Schritt 1: Wann hatten wir überhaupt gute Daten?

Hitzewellen-Abdeckung 2018–2026

Beste Hitzewellen-Daten 2018–2020, Höhepunkt Juli 2019 (38,3 °C).

Schritt 2: Aha, Daten ≠ nutzbare Daten

Datenqualität: driftende Bodenfeuchte

Der Forschungssensor driftet ab 2021 ins Negative, physikalisch unmöglich. Lektion: KI muss Open Data prüfen, nicht blind glauben.

Schritt 3: Die Realität heute, ein fast blindes Netz

Aktuelle Bodenfeuchte 2026

Nur noch 2 aktive Sensoren, aber sauberes Signal: die Aufladung am 10.–11.06. (+3–5 % durch Regen/Gießen) ist klar sichtbar.

Schritt 4: Die Prognose fürs Hitze-Wochenende

Modell-Prognose Hitzewelle 22.–29.06.

Ein einfaches, erklärbares Modell projiziert: beide Bäume bleiben über der Stress-Schwelle, der Regen am So/Mo lädt sie wieder auf.

Schritt 5: Der Nutzen, Triage statt Bauchgefühl

Triage-Werkzeug: Tage bis kritisch je Start-Bodenfeuchte und Temperatur

Die KI rangiert die Gegenden: wo es am trockensten startet, fährt der Tankwagen zuerst hin.

Schritt 6: Ehrlich bleiben, auch das gehört dazu

Saftfluss vs. Temperatur - kein Zusammenhang

Wichtig: Der Saftfluss korreliert in den Daten nicht mit der Temperatur (r≈0). Der Hitze-Faktor im Modell ist eine transparente Annahme, keine bewiesene Tatsache. Genau das muss man bei KI-Ergebnissen dazusagen.

Live: ein API-Call → die KI entscheidet

curl "https://opendata.wuerzburg.de/api/explore/v2.1/catalog/
datasets/sls-klimabaeume/records?limit=100"

Prompt: „Hier die Live-Bodenfeuchte. Bei diesem Forecast (35/33/34/36/37/39 °C): welche Gegend wird zuerst kritisch, und was schreibe ich der Gießkolonne?"

Das kann das Portal-Dashboard nicht: rangieren, entscheiden, in Klartext erklären.

Wie KI beim Coden hilft: „Vibe Coding"

  • Du beschreibst in normaler Sprache, was die Anwendung tun soll.
  • Die KI schreibt den Code, du prüfst und verfeinerst per Folgeanweisung.
  • Mit Lovable entsteht aus der Beschreibung eine lauffähige Web-App.
  • Kein Vorwissen in Programmiersprachen nötig: Iteration statt Perfektion.

Leitfrage 3: So wird aus einer Idee mit offenen Daten eine kleine Anwendung.

Live-Demo

KI-Assistent für Wassersport am Main

  • Kombiniert öffentliche Echtzeitdaten: Wassertemperatur, Pegel, Wind.
  • Quellen: Gewässerkundlicher Dienst Bayern · Pegelonline · DWD Open Data.
  • Liefert verständliche Antworten: „Kann ich heute am Main paddeln?"

Schritt für Schritt: vom Datensatz zur funktionierenden Anwendung.

Diskussion: Welche Anwendungsfälle noch?

  • Welche städtischen Fragen ließen sich mit diesem Muster beantworten?
  • Beispiele: Spielplatz-Finder · Baum-Nachbarschaft · Parkhaus-Auslastung · Klima im Stadtteil.

Wir sammeln Ideen, eine davon baust du gleich selbst.

Block 3 · 17:10–17:50

Selbst ausprobieren

Ideensammlung

  • Welche Frage an die Daten der Stadt interessiert dich?
  • Allein oder in kleinen Gruppen, wir sammeln kurz gemeinsam.

5 Minuten Brainstorming · auf Flipchart oder digitalem Board.

Hands-on: wähle eine Aufgabe

  • Analysieren: einen Datensatz aus dem Portal von der KI zusammenfassen lassen.
  • Visualisieren: ein Diagramm erstellen (z.B. Baumverteilung je Stadtteil).
  • Bauen: einen kleinen Prototyp mit Lovable.
  • Kombinieren: offene Daten mit deiner eigenen Fragestellung verbinden.

30 Minuten · wir gehen herum und helfen. Beispielprompts liegen bereit.

Wie verifizieren? KI-Ergebnisse prüfen

  • Nachfragen & kritisch gegenprüfen: „Woher stammt das? Ist das plausibel?" Die KI im Dialog hinterfragen, nicht das erste Ergebnis schlucken.
  • Stichproben Quelldaten vs. Ergebnis: einzelne Werte zurück gegen die Rohdaten prüfen, stimmt die Zahl mit der Quelle überein?
  • Testautomatisierung: wiederkehrende Prüfungen als kleinen Test/Skript automatisieren (z.B. Plausibilitätsgrenzen, Summen- oder Bereichskontrolle).

KI ist ein Werkzeug, kein Orakel. Die Verantwortung bleibt beim Menschen.

Block 4 · 17:50–18:00

Abschluss

Eure Ergebnisse

  • Wer mag, zeigt sein Ergebnis: Auswertung, Diagramm oder Prototyp.
  • Reflexion: Was hat funktioniert? Was hat überrascht?

Haben wir die Fragen beantwortet?

Was sind Open Data und warum veröffentlicht? Ja.
Wie KI beim Verstehen & Auswerten hilft? Ja.
Wie KI beim Schreiben von Code hilft? Ja (Vibe Coding).

Ziel: Hemmschwellen abbauen. Datenanalyse ist für alle zugänglich.

Gezeigt am echten Fall „Stefan/Gartenamt": von Rohdaten über Datenqualität bis zur Triage-Empfehlung.

Weiterführende Ressourcen

  • opendata.wuerzburg.de: das Portal der Stadt
  • DWD Open Data · Pegelonline · Geodaten Bayern
  • Werkzeuge: ChatGPT · Claude · Microsoft Copilot · NotebookLM · Lovable
  • Smarte Region Würzburg: smarteregion.wuerzburg.de
  • Hackation Community: hackation.de · KI-Hackathons & Workshops

Danke!

Fragen? Ideen? Sprecht uns an.

Markus Matiaschek · Hackation · mmatiaschek@hackation.de · hackation.de
Tilman Hampl · Smarte Region Würzburg